Seit längerer Zeit habe ich hier im Blog ja nichts publiziert. Dafür gibt es heute eine kleine Geschichte, die einen Einblick in die Filterung von ungültigen Klicks bei Google-Adsense und in das Kommunikationsdefizit von Google gibt.Am Montag, den 19. Februar habe ich in mein Adsense-Konto geschaut. Die Zeiten, in denen ich täglich meine Reports checke, sind vorbei, ich kann also nicht mehr sagen, seit wieviel Tagen ich dort nicht mehr nachgeschaut habe.

Mir leuchtete die Meldung “Ihre Zahlungen sind derzeit ausgesetzt. Es sind Maßnahmen erforderlich, um die Zahlung freizugeben. Detailliertere Informationen.” entgegen. Die “Detaillierteren Informationen” führten mich zu den erforderlichen Aktion(en) “Zahlungsproblem – bitte setzen Sie sich mit dem AdSense-Support in Verbindung.

Adsense Zahlungsproblem

Eigentlich kann man sich fragen, warum solche Meldungen nur im Adsense-Konto angezeigt werden und nicht zusätzlich per Mail versendet werden (nun ja – vieleicht werden sie es, vieleicht hat hier mein Spamfilter zugeschlagen – meine Mailadresse habe ich jedenfalls auf Funktion überprüft). Also habe ich die “geforderte Aktion” ausgeführt und (zunächst englischsprachig) das Kontaktformular mit der Frage, was denn los sei, ausgefüllt und abgesand. Zunächst dachte ich, dass vieleicht irgendetwas mit einem Steuerformular o.ä. zu klären wäre und wartete ein paar Tage auf die Antwort-Mail.

Später entdeckte ich allerdings im Zahlungsprotokoll, dass im Abrechnungszeitraum 1 Januar bis 31 Januar negative Einnahmen ausgewiesen werden (ich also einen negativen Kontostand habe). Beim Klick auf die Details wird mir eine “Anpassung – Ungültige Klicks” in einer Höhe angezeigt, welche die Einnahmen des Monats Januar übersteigen.

Adsense Zusammenfassung der Zahlungen, Zahlungsprotokoll

Adsense Zahlungsprotokoll

Die Tatsache, dass mehr ungültige Klicks ausgewiesen werden, als im Abrechnungszeitraum erfolgt sind, kann eigentlich nur bedeuten, dass hier im nachhinein Klicks von einem vorangegangenen Zeitraum (also nachdem bereits eine Auszahlung stattgefunden hat) als ungültig gewertet wurden. Dieser Zeitraum muß relativ lange sein, da ganz sicher auch auch eindeutig valide Klicks erfolgen müssen. Ginge man hypothetisch davon aus, dass vieleicht 25% (was hoch gegriffen wäre vor allem angesichts einer konstanten Klickrate – also einem Verhältnis von Impressions zu Klicks von ca. 1%) der Klicks als vermeintlich invalid gewertet wurden, müßte sich diese Revision auf die letzten vier Monate bezogen haben.

Das erstaunt mich etwas, da in der Google-Adwords-Hilfe eher von einer Live-Filterung (online-filtering) geschrieben wird. Es muß also ein Post-Filtering bzw. eine Offline-Analyse stattgefunden haben, eventuell sogar auf Grundlage von manuellen Reviews. Laut diesem Artikel bei Inside-AdWords werden solche “Reactive” Filter auch auf Grundlage von Advertiser-Beschwerden durchgeführt. Das Melden von vermeintlichem Klickbetrug ist dabei ganz einfach und kann von jedem (nicht nur vom Advertiser) schnell durchgeführt werden.

Nun gut, dachte ich, einiges müßte sich ja dann mit der Antwort vom Adsense-Team klären. Es freut mich ja schon, dass mein Adsense-Konto nicht gleich ganz gesperrt wurde, wie es vielen anderen passiert ist. Warum in meinem Fall “nur” ein Auszahlungsstop und keine Sperrung verhängt wurde, weiß nur Google alleine. Vieleicht hängt es damit zusammen, dass ich seit dem Jahre 2003 Adsense eingebunden habe (ich habe damals eine englischsprachige Seite angemeldet, damit ich überhaupt teilnehmen durfte), vieleicht liegt es auch daran, dass meine Einnahmen etwas höher liegen.

Während ich also auf Antwort wartete, habe ich in der Zwischenzeit schonmal nach möglichen Ursachen für ungültige Klicks geforscht. Google schreibt zu ungültigen Klicks: “Ungültige Klicks können beispielsweise durch wiederholtes manuelles Klicken, den Einsatz von Robotern, automatisierte Klick-Tools und andere missbräuchlich eingesetzte Software zustande kommen”. Wer sich genauer über die Erkennungsmechanismen informieren will, wird bei Google und in einem Paper von Dr. Alexander Tuzhilin fündig.

Eigenklicks, sowohl manuell als auch automatisiert, konnte ich ausschließen. Selbst wenn irgend jemand aus meinem Umfeld auf meine Anzeigen klickt (was relativ ausgeschlossen erscheint), wären sie höchstens ein Zufallsprodukt und sicher nicht in dieser hohen Anzahl. Die Reports im Adsense-Account sehen ebenfalls normal aus. Seit Monaten (eigentlich Jahren) sind Impressions, CTRs und eCPM ungefähr (d.h. mit den üblichen Saisonalen Schwankungen etc.) stabil. Über verschiedene Mechanismen versuche ich auf meinen wichtigsten Projekten Bots zu identifizieren. Diese Maßnahmen habe bereits seit längerer Zeit implementiert, um übermäßiges “Contentgrabbing” zu verhindern. In letzter Zeit habe ich da allerdings keine sehr auffälligen Aktionen in größerem Maße festgestellt.

Also habe ich mich an die Logfiles gemacht. Dabei habe ich eine einzige Sache festgestellt, die mir aber schon lange bekannt ist: Eine große deutsche Firma greift aus Ihrem Intranet auf einige meiner Suchfunktionen zu. Ich hatte in diesem Zusammenhang (als ich eine Suche mal “zerschossen” hatte) Kontakt mit einer Mitarbeiterin, die mir das sagte, dass sie in ihrer Abteilung meine Suchen benutzen würden. Ich habe mich über diese Aussage gefreut, zeigt es doch, dass meine Inhalte eine hohe Qualität haben. In den Logfiles habe ich tatsächlich noch immer viele Referrer aus diesem Intranet (natürlich nicht von aussen erreichbar), wenn ich das richtig sehe auch über eine IP. Hat diese Tatsache die Google-Systeme veranlaßt “ungewöhnliche Aktivitäten” zu melden? Möglicherweise.

Als ich nach einer Woche nach meiner ersten Mail noch keine Antwort vom Adsense-Support-Team bekam, habe ich am Samstag, den 24. Februar von mir aus ein weiters mal das Kontaktformular – diesmal auf deutsch – ausgefüllt und angeboten, dass ich meine Erkenntnisse gerne vortragen würde. Wieder erhielt ich die Bestätigungsseite mit der Aussage, dass man sich bemühen würde, innerhalb von 24 Stunden zu antworten. Am Montag, den 26.2. erreichte mich dann endlich die erste Reaktion eine automatisierte Mail vom Google-Adsense-Team:


[#117046259] Payment Holds: Hallo Frank, danke für Ihre E-Mail. Wir arbeiten derzeit so schnell wie möglich an der Untersuchung Ihres Anliegens und senden Ihnen eine weitere E-Mail, sobald uns genauere Informationen vorliegen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Google AdSense-Team”


Nun gut, heute – also exakt drei Wochen nach meiner ersten Mail über das Adsense-Kontaktformular erreichte mich folgende Mail (mit einer anderen Ticketnummer – anscheinend werden die Anfragen einmal in Deutschland und einmal in USA bearbeitet):


Re: [#114829473] Payment HoldsHello Frank,We apologize for the delay in responding.Please know that we’ve detected that you’ve recently made a change that is causing some of our advertisers to receive less value from your site traffic. Because of our need to protect our proprietary detection systems, we’re unable to provide you with any specifics about the change we detected. However, we ask that you carefully examine any changes you’ve made in the past few months that may have caused this kind of shift. Some possible scenarios that may be responsible for the activity on your site include:

– Changing the targeting of your ads by removing or adding text or keywords, or by using IFRAMEs
– Using a new advertising network or method to drive traffic to your site
– Changing the look and feel of your ads
– Modifying the HTML or JavaScript code of your ads
– Placing your ad code on a new site or page
– Moving your ad code to a new location on the page

In addition, please ensure that your site is fully compliant with our program policies (https://www.google.com/adsense/policies) and Term and Conditions (https://www.google.com/adsense/terms). We also recommend that you view our tips and guidelines for keeping your account in good standing at https://www.google.com/adsense/support/bin/answer.py?answer=23921.

We appreciate your efforts toward providing better value to our advertisers. Please understand that should we continue to see a decline in advertiser value, we may need to make deductions to your earnings and refund them to the advertisers who were affected by this activity.

Sincerely,
XXX
The Google AdSense Team.


(Den Namen des Bearbeiters habe ich rausgenommen – aber erstaunlich, immerhin persönlich mit Namen gezeichnet )Nach dieser Mail bin ich allerdings so schlau wie vorher. Ich habe also irgendwelche Änderungen an der Seite gemacht, die meine Seite bei Advertisern weniger Wert werden ließ.Am meisten gefällt mir der Satz “Moving your ad code to a new location on the page”. Man wird also bestraft, wenn man seine Werbung auf der Seite verschiebt. Außerdem wird gedroht, dass wenn der Wert meiner Seite für Advertiser weiter fallen würde, dann müßte man meine Einnahmen reduzieren.

Leider hat man das ja schon gemacht (4-stelliger Betrag wurde storniert) und leider ist auch nach dieser Mail mein Zahlungsstop noch nicht aufgehoben. In der Zwischenzeit liefen bis vor einer Woche alle Google-Anzeigen fröhlich weiter.

Der Negativ-Betrag sollte ausgeglichen sein, allerdings habe ich keine Ahnung, ob weitere “ungültige Klicks “gezählt werden. Im schlechtesten Fall wurden weitere Negativ-Einnahmen angehäuft.

Interessant in diesem Zusammenhang das Interview, das Stefan Zwanzger und André Moritz mit zwei Adsense-Verantwortlichen in dere Google-Zentrale in Mountain View, Kalifornien führten. Zum Thema Klickbetrug lese ich dort die Aussage der Google-Verantwortlichen: “Wir haben einige sehr sehr hoch entwickelte, automatisierte Systeme, welche alle Arten von unnatürlichen Mustern aufdecken.”

Adwords-Kunden bekommen seit einiger Zeit ungültige Klicks angezeigt. Eine solche Transparenz würde ich mir auch für Adsense-Publisher wünschen. Traditionell sitzen Advertiser hier allerdings am längeren Hebel. Mit dem ClickFraudIndex gibt es sogar schon einen Service eines Anbieters (CFAnalytics), der bis zu 100 000 bezahlte Klicks pro Monat und pro Anzeigenkunde kostenfrei überwacht.
Weiter lese ich im genannten Interview: hinsichtlich einer Telefonhotline hätte Google die die Publisher gefragt, was sie wollen, und sie wollten das angeblich nicht wirklich. Hinsichtlich der Antwortzeit auf E-Mails lese ich “Wir haben dafür keine definierte Kennzahl, aber in der Regel erhalten unsere Nutzer eine Antwort innerhalb von 24h”. 24 Stunden, je nach Anzahl der Anfragen – so ähnlich ist das auch auf der Bestätigungsseite des Kontaktformulars zu lesen. 48 oder auch 72 Stunden wären ok. Bei mir waren es allerdings allerding mehrere Wochen die man brauchte, um eine inhaltlose Mail zu senden. Immerhin gab es dazu aber eine Entschuldigung für die lange Bearbeitungszeit.

Letztendlich bleibt es unklar, wie ungültige Klicks erzeugt werden. Vieleicht können ungültige Klicks tatsächlich durch die “unerklärliche” Häufung der Zugriffe aus einem Firmen-Netzwerk auftreten. Vieleicht gibt es auch eine Programmrichtlinie, eine Guideline oder irgendwelche Terms and Conditions, die ich übersehen habe.

Eventuell ist mir auch eine nicht sehr beachtete Formulierung in den Programmrichtlinien zum Verhängnis geworden: “Klicks oder Impressionen auf Google-Anzeigen sind strikt untersagt”. Man darf also auch keine eigenen Impressionen erzeugen, sprich, seine Webseite nicht selbst aufrufen (was weit über “nicht klicken” hinausgeht) – und weiter hier: “[…] und laden Sie Ihre Seiten nicht zu häufig neu”.

Ungültige Klicks können ebenso durch diverses Verhalten Dritter erzeugt werden, was auch zur Sperrung führen kann, auch wenn man daran völlig unbeteiligt ist. Dies führt immer wieder zu Aufregung, insbesondere, da der erneute Einstieg in das Programm dann äußerst schwierig ist. Momentan macht Google bei vermeintlichen “Klickbetrügern” vermehrt Druck, so berichtet auch das GoogleWatchBlog von mehreren Fällen, in denen Account-Schließungen vorgenommen wurden. Es scheint so, als würde Google über sein Ziel hinausschießen.
Die Beweislast, ob ungültige Klicks erzeugt wurden oder nicht liegt beim Publisher, die Überwachung der Klicks bleibt dem Webmaster überlassen. Im Falle einer Sperrung des Accounts werden Auszahlungen sowohl für gültige, als auch für ungültige Klicks einbehalten.

Publisher wollen Ihrem Merchant vertrauen können. Sie nutzen und schätzen Produkte von Google und gerade bei diesem Unternehmen, das mit dem Motto “Sei nicht böse” antritt, haben Sie hohe Erwartungen auch an die Transparenz.

Generell ist das Vorgehen von Google zum Schutz seiner Advertiser einleuchtend, auch die Mechanismen zur Erkennung von ungültigen Klicks, wie sie im Tuzhilin-Report beschrieben sind, erscheinen einleuchtend. Nicht einleuchtend ist hingegen, dass Aktionen, die außerhalb des Einflusses eines Webmasters liegen ebenfalls zur Abstrafung bei Google-Adsense führen können und nicht einleuchtend ist auch die Tatsache, dass Google dem Webmaster keinerlei Unterstützung bietet, ein mögliches Problem zu beheben.

Dass eine Stornierung von Einnahmen von Umständen abhängig ist wie “Moving your ad code to a new location on the page” oder der Tatsache, dass man seine eigene Website nicht zu oft neu laden sollte, ist jedenfalls erschreckend und abschreckend.

Jeder Website-Betreiber sollte sich überlegen, in welchem Maße er auf seiner Seite Google-Adsense einsetzen will. Vor unangenehmen Überraschungen ist man jedenfalls auch bei Google nicht sicher.